Die Waffeln der Frau in der Distel

Wir waren ausverkauft! Vor voll besetztem Theater spielte das Duo JETZABA! das Stück „Die Waffeln der Frau“ in der renommierten Distel in der Friedrichstrasse 101 in Berlin! Das ist in Corona-Zeiten wahrlich keine Selbstverständlichkeit.

Klar, die Aussicht, die beginnende Adventszeit mit Waffen zu beginnen, war wohl für Viele verlockend, aber sicher war es auch der Hunger nach Unterhaltung und Theaterzauber in einer Zeit, in der möglicherweise wieder ein Lockdown droht, der die Leute Schlange am Eingang stehen ließ, um Anna Maria Haas und Marianne Blum zu sehen.

Belohnt wurden die Zuschauer nicht nur mit frisch und live auf der Bühne gebackenen Waffeln, sondern auch mit herrlich komischen Szenen, bissigen Dialogen und wunderbarer Musik. Von Bossa Nova über Kabarett-Chanson, Bond-artigen Hymnen, Tango, afrikanischem Gute Laune Pop bis Rap mit wildem Jungle-Rhythmus war für jede:n was dabei.

Dass die Pianistin Anna Maria Haas dabei immer wieder neben ihrem komischen Talent auch ihre absolut ernstzunehmenden pianistischen Fähigkeiten aufblitzen ließ, überraschte so manchen Kabarettgänger ebenso positiv wie die unglaubliche Bandbreite der technisch erstklassigen Sängerin Marianne Blum.

Die Blum glänzte spielend in Koloraturen, ließ ab und zu eine Rockröhre aufblitzen und zeigte die Länge ihres Atems nicht nur in elegischen Teilen, sondern auch daran, dass sie sogar noch in der Lage war, lange Töne zu singen, nachdem sie eine Waffel abgebissen hatte. Dass sie dabei im Omakostüm wie von der Tarantel gestochen über die Bühne hopste, brachte die Leute geradezu zum Platzen vor Lachen. So konnten alle vergessen, warum sie wieder mit Masken in einem geschlossenen Raum sitzen müssen und wie ernst die Lage derzeit außerhalb des magischen Theaterraums ist. Derart beglückt standen anschließend noch Viele an, um eine nebenbei bemerkt köstliche Waffel dieser beiden Frauen abzubekommen und mit den Künstlerinnen zu sprechen.   

 Kultur tut gut!

Nächste Gelegenheit, „Die Waffeln der Frau“ live zu erleben:

22.01.2022 im Kabarett-Theater Distel

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Annes Kampf in Ostfriesland und Sachsen

Der 9.11. ist ein Tag mit schwerer Geschichtslast. 2021 jährt sich an diesem Datum die Reichspogromnacht zum 73ten Mal. Die Stadt Aurich wollte an diese Untat der Nazis erinnern, bei der in vielen deutschen Städten jüdische Geschäfte, Einrichtungen und Synagogen geschändet und zerstört und Menschen angegriffen, verletzt, beleidigt, eingeschüchtert und drangsaliert wurden, nur weil sie Juden waren. Daran erinnert das Künstler-Duo Blum & Heckmann.

Sie spielten „Annes Kampf“ in der Stadthalle, die angesichts der wieder zunehmend bedrohlichen Corona-Lage erstaunlich gut gefüllt war. Rege wurde anschließend über das Gesehene diskutiert. Ein Herr regte z.B. an, „Annes Kampf“ auch in niederländischen Partnerstädten zu spielen. „Das sollten auf jeden Fall auch Schüler in Aurich sehen!“, meinte eine Lehrerin im Publikum.

Zwei Tage später spielten die Künstler DAS Stück gegen Antisemitismus und Rassismus tatsächlich vor Schülern, allerdings nicht in Ostfriesland, sondern mitten in Sachsen, genauer gesagt in Zwickau, in dem wunderbaren Rundbau des Gasometers mitten in der Stadt.

Auf dem Blog des „Gasometer“ heißt es dazu:

Die Vormittagsveranstaltung, die von über 120 Schüler*innen aus drei Schulen besucht wurde sowie die Abendveranstaltung im Rahmen der Novembertage, die von über 110 Besucher*innen, davon die große Mehrzahl Studierende, besucht wurde, stellte gut die Diskrepanz zwischen den beiden Texten dar. Auf der einen Seite das Tagebuch eines dreizehnjährigen Mädchens, gelesen von Marianne Blum, welches ihre Gefühle und die stetige Angst, die es bei beiden Familien gab, entdeckt zu werden, in sehr guter Art und Weise auszudrücken vermag. Auf der anderen ein schlecht geschriebenes und von Hass und Lügen strotzendes Buch, von einem nach Geltung strebenden Diktatoren, gelesen von Stefan Heckmann. Die Protagonist*innen, die nochmals betonten, in keinster Weise darauf abzuzielen die beiden Bücher miteinander zu vergleichen, schafften es, genau dies in einem unterhaltsamen, aber auch bedrückenden Stil dem Publikum näher zu bringen. Nach der Veranstaltung gab es noch genügend Raum für Fragen, Anmerkungen und auch Kritik.

Wir bedanken uns bei Marianne Blum und Stefan Heckmann für den spannenden und kurzweiligen Abend und natürlich bei allen Gästen! Ein Abend, der vom gesprochenen und gelesenen Wort lebte!“

Wir können dazu nur ergänzen, dass wir selbst überrascht und auch schockiert waren von dem, was uns manche Schüler und später auch Zuschauer der Abendvorstellung nach den Vorstellungen berichteten. Hass, Ausgrenzung, unverhohlener Rassismus und eine große Zustimmung zu politischer Propaganda, die genau das befördert, ist ein massives Problem in der Region.

Wir hoffen immer wieder, mit Annes Kampf beitragen zu können, deutlich zu machen, wie schrecklich rassistische Ideen sich auswirken wie sehr wir uns dem entgegenstellen müssen, so früh wie möglich!

Nächste Gelegenheit, Annes Kampf zu erleben:

20.01.2022 im Theater Meißen Ticketshop – Annes Kampf – Anne Frank vs. Adolf Hitler Tickets, Theater Meißen, 01662 Meißen – online bestellen (reservix.de)

29.01.2022 im Winzerverein Lantershofen 29.01.2022: ANNES KAMPF – KULTURLANT – KULTURVEREIN GRAFSCHAFT

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Annes Kampf in Fulda

Doppelveranstaltung vor Schüler und Abendpublikum

Am 3.11.2021 waren Blum & Heckmann in Fulda im Kreuzsaal mit „Annes Kampf“ zu Gast. Dort spielten sie DAS Stück gegen Antisemitismus und Rassismus in einer Doppelvorstellung.

Vormittags standen sie vor über 100 Schülern der berufsbildenden Richard-Müller-Schule auf der Bühne. Ein Erlebnis, das die Schule auf Facebook so kommentiert:

„Hass vs. Hoffnung, Bestie vs. junges Mädchen, Hitler vs. Anne Frank. Am Ende sterben sie beide – Schuld daran ist nur einer. In einer fesselnden Konfrontation erlebte unsere WG 12 und 13 gestern im Kreuz, wie Entertainerin Marianne Blum und Schauspieler Stefan Heckmann das Tagebuch der Anne Frank und Hitlers „Mein Kampf“ zum Leben erwecken. Und das unterhaltsam, schockierend und bewegend zugleich.“

Dass die Botschaft ankommt und auch die öffentliche Abendvorstellung des Künstler-Duos die Zuschauer nachhaltig berührt, merkt man auch an der regen Diskussion im Anschluss.

Das Bündnis „Fulda stellt sich quer e.V.“, das die Vorstellungen in ihrer Themenwoche „Starke Frauen“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Kreuz e.V. und den „Omas gegen rechts“ organisiert haben, schreiben dazu auf Ihrer Homepage:

„In einer szenischen Lesung konfrontierten Marianne und Blum und Stefan Heckmann die vielleicht bekanntesten Texte aus der Zeit des deutschen Faschismus.

Das „Tagebuch der Anne Frank“, geschrieben in den Jahren 1942 bis 1944, zeigt die Gedanken eines jüdischen Mädchens, das sich zusammen mit seiner Familie in einem Hinterhaus vor den Schergen der Nazis versteckt und am Ende doch verraten, entdeckt und ermordet wird. Das Tagebuch kam erst nach dem Krieg heraus, wurde in 70 Sprachen übersetzt und in einer Auflage von 30 Millionen verkauft.

Die zwei Bände von Hitlers Kampf- und Propagandaschrift »Mein Kampf« kamen 1925 und 1926 heraus und wurden bis 1944 in einer Auflage von 11 Millionen Exemplaren unter die Deutschen verteilt und verkauft. Darin wollte Hitler mit Verrätern abrechnen und die Deutschen auf den gemeinsamen jüdischen Feind einschwören. Auch heute verkauft sich das Buch in den arabischen Ländern, in den USA, in Kroatien, Russland und Indien gut. Seit ein paar Jahren gibt es auch eine kommentierte Ausgabe in Deutschland.

Marianne Blum und Stefan Heckmann konfrontieren die Gedanken eines 14-jährigen Mädchens, das mit ansieht, wie die jüdische Bevölkerung in Amsterdam immer mehr unter den Druck der Nazis gerät, mit den wirren Hasstiraden des GröFaZ. Hier prallen Menschlichkeit und unerträglicher Rassenfanatismus aufeinander. Etwa wenn Anne sich darüber Gedanken macht, wo und wie die im Hinterhaus Versteckten ihre täglichen Waschungen vollziehen, während Hitler über die jüdische Schmutzrasse räsoniert.

»Auf der einen Seite die reflektierte, hoffnungsvolle und zum Teil sogar heitere Auseinandersetzung des jungen Mädchens mit dem eigenen Schicksal und dem der vielen Opfer des Nationalsozialismus‘ und auf der anderen Seite die Tod bringende, aus Frustration und Hass zusammen gebastelte Rassentheorie eines Mannes, die in Wortwahl und Gedankengut erschreckend real ist.« (Wilhelmshavener Zeitung, 9.9.2020)

Marianne Blum unterbricht die Lesung immer wieder mit jiddischen Liedern, die in Ghettos und Konzentrationslagern entstanden sind, sowie mit Liedern jüdischer Komponisten, die Zarah Leander zu Welterfolgen machte.

Alles in allem war »Annes Kampf« eine gelungene Aufführung, die auch daran erinnerte, wie aktuell beide Texte auch heute noch sind. Am Schluss gab es »Standing Ovations« für die beiden Schauspieler.“

Nächste Gelegenheit, Annes Kampf zu erleben:

09.11.2021 in der Stadthalle Aurich Details – Veranstaltungen Aurich

11.11.2021 im Kulturzentrum Alter Gasometer Zwickau Annes Kampf: Adolf Hitler vs. Anne Frank – Alter Gasometer Zwickau (alter-gasometer.de)

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Heilung in der Distel in Berlin

Es war wunderbar. Für unsere Künstler, Carlos Corona und Marianne Blum von der Kabarett-Junta ebenso, wie für die Zuschauer. Bunt, aber nicht überzeichnet, sehr komisch, gleichzeitig auch herzergreifend traurig, musikalisch erquickend, kabarettistisch top aktuell, scharf, dennoch auch versöhnlich und Mut machend.

Dementsprechend brandete der Applaus und tatsächlich sang am Ende der ganze Saal mit. Ein Abend, den alle mit glänzenden Augen verließen, um sich der Welt und den Problemen, die sie mit ihr haben, gestärkt zu stellen.

Nächste Gelegenheit, bei der Heilung dabei zu sein:

04.11.2021 „Geheilt : Durch“ im Stalburg Theater Frankfurt am Main Geheilt: Durch – Eine Einweisung — Stalburg Theater Frankfurt am Main

SAM Entertainment auf dem Theatermarkt

Optimismus – das ist das Wichtigste nach einem so schweren Jahr für die Veranstaltungsbranche. Weil wir Optimisten sind, warn wir mit unserer Agentur vom 11.-12.10.2021 auf dem INTHEGA-Theatermarkt mit einem Stand vertreten. Kontakte knüpfen und pflegen ist immer wichtig.

Viele nette Leute haben wir kennengelernt, uns vernetzt und unsere Programme angeboten. Schließlich sagte auch Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters bei der Preisverleihung am Abend: Keiner kann ohne den anderen: die Theater genau so wenig ohne die Gastspiel-Anbieter wie umgekehrt.

Wir blicken daher optimistisch auf die nächste Spielzeit und freuen uns schon auf die nächsten Vorstellungen:

29.10.2021 „Geheilt : Durch“ in der Distel Berlin Die Kabarett Junta: geheilt : durch – Kabarett-Theater DISTEL Berlin (distel-berlin.de)

03.11.2021Annes Kampf“ im Kulturzentrum Kreuz, Fulda. ANNES KAMPF | KREUZ.COM

09.11.2021Annes Kampf“ in der Stadthalle, Aurich. Infos: Details – Veranstaltungen Aurich

11.11.2021Annes Kampf“ im Alter Gasometer, Zwickau. Infos: Annes Kampf: Adolf Hitler vs. Anne Frank – Alter Gasometer Zwickau (alter-gasometer.de)

20.11.2021Die Waffeln der Frau“ in der Distel Berlin Jetzaba: Die Waffeln der Frau – Kabarett-Theater DISTEL Berlin (distel-berlin.de)

ENDLICH WIEDER THEATER!

Theater-Kabarett und Musik und live gebackenen Waffeln mit dem Damen-Duo JETZABA

Eine Kritik von Doris Sondermann

Ausgerechnet am Freitag, den 13. August 2021 wurde mein lang gewachsener Hunger nach „richtig, echter“ Kultur zum ersten Mal wieder gestillt – von echten Musikerinnen im echten, prachtvollen Theatersaal in Putbus auf Rügen.

„Die Waffeln der Frau“ hieß das Kabarett-Programm. Es wurde ebenso wie die 8 Songs, mit denen das Publikum beglückt wurde, von der Berliner Sängerin und Kabarettistin Marianne Blum geschrieben und feierte zusammen mit ihrer kongenialen Pianistin Anna Maria Haas seine Wiederaufnahmepremiere auf der Insel. In der ersten Fassung noch mit der ukrainischen Kampfpianistin Marina Gajda besetzt, sorgte das Stück bereits seit seiner Uraufführung 2016 für ausverkaufte Theater nicht nur auf Rügen. Aktualisiert und auf die Rheinland-Pfälzische Konzertpianistin Anna Maria Haas zugeschnitten, zeigt das Stück jetzt ganz neue sehenswerte Facetten.

Wie schon bei der Urfassung führte auch jetzt bei der Neufassung Peter Gestwa, der Intendant des Theater Putbus, Regie bei den „Waffeln“, was erklärt, warum das Stück auf Rügen seine Premiere feierte, wobei dieses zauberhafte, historische Haus einen wunderbaren Rahmen für diese launig-launischen Partnerinnenschaft bot, an der uns das Damen-Duo teilhaben ließ.

Marianne Blum ist bekannt für ihr Temperament, ihr sängerisches Können und ihre Bühnenpräsenz, Wortwitz in den Dialogen und humorvollem Ernst in den Texten ihrer Songs. Sie riss ihr Publikum wieder einmal mitten hinein in das uralte und doch immer aktuelle Thema der Rolle als Frau, mit oder ohne Mann an ihrer Seite; in Solidarität oder Konkurrenz zu den Geschlechtsgenossinnen. Diesen Part übernahm Anna Maria Haas – brillant am Bühnenklavier und gewitzt im Kontern in den Dialogen – eine nicht immer dankbare Rolle.  Ein Motto des Abends kam im Song: „Wir sind nicht besser als ihr – leider“ in der Spannung, in die die Blum uns zwingt, zum Klingen. „Nein! Doch!“ Eine Hymne an die Frauen, auch dann, wenn sie hin und wieder Mist bauen.

Wie gut tut es, nach der langen „Fastenzeit“ gemeinsam mit den Künstlerinnen und dem Publikum im Saal zu lachen, zu staunen, über das eigene Leben zu sinnieren und am Ende sogar mit frisch gebackenen Waffeln aromatisch und speisend verwöhnt zu werden. Da kann der Weltuntergang gerne noch warten.

Blum & Heckmann begeistern mit „Annes Kampf“ in Wilhelmshaven.

Marianne Blum und Stefan Heckmann
Foto: SAM Entertainment

Die Wilhelmshavener Zeitung schreibt am 09.09.2020:

Kampf wühlt auf und bewegt.

Von Annette Muschalik

Wilhelmshaven. Anne Frank und Adolf Hitler haben sich nie getroffen, ihre Gedanken nie ausgetauscht, die 75 Jahre nach ihrem Tod bei der Lesung „Annes Kampf“ wie David gegen Goliath aufeinander treffen. Es ist genau dieser Kontrast, den die Kabarettistin und Sängerin Marianne Blum und der Schauspieler und Autor Stefan Heckmann bewusst machen wollen und für den es nichts anderes braucht als die Gegenüberstellung der Worte, die Anne Frank in ihrem Tagebuch und Adolf Hitler in „Mein Kampf“ hinterlassen haben.

Auf der einen Seite die reflektierte, hoffnungsvolle und zum Teil sogar heitere Auseinandersetzung des jungen Mädchens mit dem eigenen Schicksal und dem der vielen Opfer des Nationalsozialismus‘ und auf der anderen Seite die Tod bringende, aus Frustration und Hass zusammen gebastelte Rassentheorie eines Mannes, die in Wortwahl und Gedankengut erschreckend real ist.

Und so lassen Heckmann und Blum es ihre Protagonisten gleich zu Beginn deutlich aussprechen: „Alles, was ich geschrieben habe, ist noch aktuell.“ Woraufhin „Anne“ erwidert: „Alles, was ich geschrieben habe, ist noch aktuell.“

Fast schmerzhaft dingen die Worte in den folgenden eineinhalb Stunden zum Publikum durch – Marianne Blum und Stefan Heckmann lassen ihre Protagonisten auch stimmlich präsent werden. Zart, mal fröhlich, mal nachdenklich auf der einen Seite, unerbittlich, hart und schneidend die andere Seite.

So finden in Annes Tagebuch die ersten zarten Gefühle zu einem Jungen behutsam Ausdruck und demgegenüber Hitlers Sätze über „schwarzhaarige Judenjungen“, die „weiße Mädchen schänden“ messerscharf in die Ohren des Publikums. Und wo Hitler Juden als „Egoisten, Parasiten und Schmarotzer“ beschimpft, lässt Anne einen beschämt zurück, wenn sie darüber reflektiert, ob es egoistisch sei, über ein Leben nach dem Krieg zu sprechen, wo doch so viele schon ermordet wurden und dass doch alle, Juden und Christen, so sehr auf der Kriegsende warten.  Was bewegt und aufwühlt, dringt mit dem kraftvollen Gesang von Marianne Blum noch ein bisschen tiefer ins Herz.

Mit jiddischen Liedern, die in Ghettos und Konzentrationslagern entstanden sind, sowie mit Liedern jüdischer Komponisten, die Zarah Leander zu Welterfolgen machte, unterbricht Blum die Lesung und nimmt dem Publikum die Hemmung zu klatschen.

Der tragische Tod von Anne Frank, die ebenso wie ihre Schwester kurz vor der Befreiung des KZ Bergen-Belsen dort gestorben ist, ist nicht das Ende ihrer Geschichte und auch nicht das Ende der Lesung. Vielmehr hat das Tagebuch, das ihr Vater als einziger Überlebender der Familie nach seiner Rückkehr veröffentlicht hat, sie und ihre Botschaft unsterblich gemacht. Und im Pumpwerk sind es ihre Worte, die nachklingen und Mut machen: „Ich will fortleben. (…) einmal werden wir doch wieder Menschen und nicht nur Juden sein!“

Die Kabarett-Junta erobert Putbus – zum Glück!

Carlos Corona und Marianne Blum in "Geheilt : Durch" im Theater Putbus. Foto: SAM Entertainment
Carlos Corona und Marianne Blum im Theater Putbus. Foto: SAM Entertainment

Theater-Kabarett und Musik mit kleinsten Mitteln und größter Wirkung – und damit umweltbewusst durch und durch

Eine Kritik von Anna Maria Haas

Vor ein paar Monaten konnte ich noch nicht wissen, dass sein Name heute in aller Munde und er weltberühmt ist. so stellt die Kabarettistin und Sängerin Marianne Blum Carlos Corona vor und führt damit nicht nur ihren Duo-Partner als Figur ein, sondern macht auch gleich klar, dass es in diesem Programm um Fakten geht. Schließlich heißt der mexikanische Gitarrist, mit Wohnsitz in Berlin, tatsächlich so. Marianne Blum, die über 20 Jahre Bühnenerfahrung hat und auch im Theater Putbus schon 2016 mit den „Waffeln der Frau“ für Furore sorgte, hat angesichts dieser Faktenlage gleich ein ganzes Programm um ihren Kompagnon geschrieben. Er ist das „Alter Ego“ der Pandemie, er legt die Schwachstellen und Abgründe offen, in die der Virus uns als Gesellschaft stürzt. Er weiß aber auch, wo Hoffnung und Heilung zu suchen und zu finden wäre. Corona bringt gnadenlos alles ans Licht: den mühsam verdeckten oder absichtsvoll vergessenen, inzwischen aber in Teilen der Bevölkerung wieder heiß hervorbrechende Rassismus ebenso wie die rasant wachsende Schere zwischen Arm und Reich und die absurden Prioritäten unseres Wirtschaftssystems, das bedenkenlos und grenzenlos nicht nur Natur und Menschen ausbeutet, sondern auch sich selbst. Dabei sollte uns inzwischen allen klar sein: Grenzenloses Wachstum auf einen endlichen Planeten ist eine Illusion und „systemrelevant“ sind eben keine Börsenspekulanten und Konzernchefs, sondern jede einzelne Intensivkrankenschwester und jede*r, der unseren Müll abholt.  

„Haben Sie Spaß an Ihrer Arbeit?“, die Fragen werden immer direkter und konkreter, bis wir an dem Punkt sind: „Halten Sie Ihre Arbeit für sinnvoll?“ und „Würden Sie morgen noch zur Arbeit gehen, wenn Ihnen ein bedingungsloses Grundeinkommen zugesichert würde?“

Mutig werden heiß diskutierte Themen wie die prekäre Situation der Künstler in der Corona-Krise oder der Zustand der Erde angesichts der auch in Deutschland immer deutlicher spürbaren Klimakatastrophe angesprochen. Aber auch brandaktuelle Tagesmeldungen wie die gerade einmal 3 Tage zurückliegende Demonstration von 38.000 Impfgegnern, Verschwörungsgläubigen, Esoterikern und Rechtsradikalen in Berlin werden aufgegriffen und in schlüssige und trotz der Schwere des Sujets überraschend witzige Dialoge gegossen. Dabei verdeutlicht Marianne Blum oft die Relevanz nationaler und internationaler Geschehnisse mit Hilfe regionaler Besonderheiten oder historischer Anekdoten. Dass sie sich bei allen angesprochenen Themen bestens informiert zeigt und nicht bei Oberflächlichkeiten hängenbleibt, ist ein weiterer Pluspunkt dieses insgesamt erstaunlich tiefgreifenden und dabei trotzdem höchst unterhaltsamen Abends.

Das medizinische Thema bleibt den ganzen Abend über im Raum bis zur erschütternden Diagnose für Mutter Erde. Dr. Corona hakt nach: „Wann hat das angefangen?“ und die Blum berichtet: „1870. Da hat das begonnen mit dem Saufen und Rauchen.“ „Welche Substanzen?“ „Fossile. Auf Lunge. Erst nur ein bisschen, dann, seit Mitte des letzten Jahrhunderts exponentiell. Jetzt ist sie auf 413 ppm!“ Doch die beiden wollen die Patientin nicht aufgeben. Trotzig stellt sich die Kabarett-Junta auf die Bühne, fordert mutig und laut eine kollektive Rettungsaktion und es gelingt ihnen, dass man als Zuschauer aufspringen und sofort aktiv werden will.

Wahrscheinlich liegt das daran, dass man als Zuschauer mitgenommen wird durch alle Höhen und Tiefen der persönlichen Bewusstwerdung und Meinungsbildung. Die Blum lässt keine*n aus dem Visier, nimmt aber auch jede*n liebevoll an die Hand. Mit Verständnis für alle menschlichen Fluchtversuche erlaubt sie niemandem, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Sie drängt zum Aufbruch, weil er unvermeidbar ist.

So wie das Duo inhaltlich die volle Breitseite der drängendsten Probleme unserer Zeit trifft, überzeugt es auch auf künstlerischer Ebene. Wenn Carlos Corona zur Gitarre greift, fasziniert er nicht nur mit ausgefeilter Technik, die ihm erlaubt, alle Stilrichtungen zu bedienen und seinem Instrument ungeahnte Klangfarben zu entlocken, sondern auch mit ausdrucksstarken, abwechslungsreichen Arrangements der Songs, von denen nicht wenige beeindruckende Eigenkompositionen des Gespanns Blum & Corona sind. Darunter so schmissige Gassenhauer wie der „Gutmensch“, der euphorische Aufbruchsstimmung verbreitende Titelsong „Geheilt Durch“, das absurd-witzige aber auch herzerweichende „Depression“ (inklusive einer Trübsal-Tröte), der versöhnlich-verspielte Song „Der Weltuntergang kann warten“ oder das „Unschuldige Lied“, welches den Abend mit einer musikalischen Achterbahnfahrt zwischen Brecht-Lied, Latin-Rap und Helene-Fischer Schlager beschloss. Alles ausdrucksstark und mitreißend interpretiert von der Blum, die scheinbar spielend von Bluesröhre zu fülliger Opernstimme und zartem Popgesang wechselt. Über mehr als 80 Minuten zeigt sie einen technisch versierten Umgang mit ihrem Instrument, der Stimme, und überzeugt lückenlos. Im Ergebnis die stimmungsvollste und klangintensivste Synthese, die zwei so gegensätzliche charakterstarke Klangkörper erreichen können.

Marianne Blum und die Rettung der Welt. Foto: SAM Entertainment

Überhaupt haben wir es hier mit zwei Künstlerpersönlichkeiten zu tun, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Marianne Blum singt, tanzt, tobt, lockt das Publikum und kokettiert mit ihm, analysiert, kritisiert und motiviert. Kaum auf der Bühne weiß sie geschickt das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Immer wieder nutzt sie kleine Möglichkeiten der Interaktion. So übt sie so lange mit den Zuschauern, bis der neue Ohrwurm „Ich bin ein Gutmensch“ sitzt. So verabreicht sie eine flächendeckende Publikumsimpfung mit Selbstheilungskräfte stimulierender Wirkung. Carlos Corona ist dagegen der Fels in der Brandung. Gelassen, bisweilen herzerfrischend naiv, hinterfragt er Marianne Blums Behauptungen und die von ihr vorgetragenen Einsichten. Dadurch setzt er, sowohl inhaltlich als auch vom Sprachduktus und vom Typ her, einen perfekten Kontrapunkt zur quirligen Blum. Insgesamt kann man sagen: Die Zuschauer im ausverkauften Theater Putbus erlebten zwei Künstler, die kein musikalisches Genre, keine Facette ihrer Instrumente, keine Bühnenecke und keine menschliche (Un)Art unbespielt ließen. Einfachste theatralische Mittel (ein paar bunte Kisten, ein Sektkühler, Schokoladentaler und eine aufblasbare Weltkugel, Konfettikanonen und Handfeger) genügten den beiden, um überzeugend das große Bild unserer Gesellschaft vor dem Publikum entstehen zu lassen. Das war Kabarett vom Feinsten, das menschlich humorvoll, politisch scharfzüngig, schlagfertig, künstlerisch wertvoll und dabei ungemein unterhaltsam war!

Hygiene Demo in Berlin

Hygiene Demo – Die Blum spricht

Tausende haben am 1. August in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, selbstverständlich ohne sich dabei an Hygieneauflagen wie MNS und Abstand zu halten. Auch zu Identitären, NPDler, AfDler und anderen Rechtsextremen hielten sie inhaltlich wie physisch keinen Abstand. Dabei weiß man doch, dass zwischen Nazis und einem selbst immer 100 Jahre liegen sollten. Die Demonstranten haben auch kein Problem, sogar ihre eigenen Angehörigen zu gefährden, wenn sie nach der Demo nach Stuttgart, München, Dresden und sonstwohin wieder nach Hause zu fahren. Und das alles nur, weil sie ihre Freiheitsrechte eingeschränkt sehen! Vergleichendes Reisen würde helfen. Echte, harte Lockdowns, wie wir sie in Italien und Spanien gesehen haben, hatten wir in Deutschland nämlich nicht. Auch sind wir hier zum Glück bewahrt worden vor einer Situation, die es nötig machte, mit Kühlwagen Tote zwischenzulagern, wie es z.B. in den USA derzeit der Fall ist. Auch durften alle Demonstranten wieder unbehelligt nach Hause fahren. Sie hätten mal in Nordkorea, Weißrussland oder – das ist nicht so weit weg – in Victator Orbans Ungarn probieren sollen, vor dem Regierungsgebäude „Diktatur“ zu rufen. Viel Spaß! Aber Fakten fechten Verschwörungsgläubige nicht an. Aus diesem Grund hat Marianne Blum eine andere Strategie entwickelt, um den Schaden zu begrenzen, den sie anrichten. Die klappt viel besser: