„Hin und Weg“: Ein Bühnenstück, das den gesellschaftlichen Diskurs anregt

Marianne Blum und Carlos Corona

Am 19. Mai 2025 feierte unser neues Bühnenstück „Hin und Weg“ im Zimmer16 in Berlin-Pankow eine beeindruckende Berlin-Premiere. Das Stück, von und mit Marianne Blum und dem begnadeten Gitarristen Carlos Corona aus Mexiko, setzt sich auf musikalischer Weise mit dem Thema Migration auseinander. „Hin und Weg“ ist kein gemütliches Bühnenstück, das lediglich unterhalten soll. Vielmehr ist es eine kraftvolle Aufforderung, sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Wir sind überzeugt, dass Kultur nicht mehr neutral bleiben darf. Veranstalter, die diese Verantwortung anerkennen und sich für den gesellschaftlichen Diskurs engagieren möchten, sind unsere Partner in diesem Bestreben.

Foto: Detlef Stein

Unser neues Stück fokussiert sich auf das Thema Migration. Es stellt wichtige Fragen: Ist Migration wirklich eine der Hauptsorgen angesichts der aktuellen globalen Krisen? Kann Migration nicht auch eine Chance für unsere Gesellschaft sein? Warum fürchten wir das Fremde? Warum gedeihen rechtsradikale Strukturen dort, wo es keine Vielfalt gibt, und nicht dort, wo verschiedene Kulturen zusammenleben? Diese Fragen regen das Publikum zum Nachdenken an, ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger zu agieren. Wir möchten Anregungen geben, damit jeder Zuschauer selbst über das Thema Migration reflektieren kann. Die Berlin-Premiere von „Hin und Weg“ im Zimmer16 war ein voller Erfolg. Das Publikum war sichtlich bewegt und zeigte großes Interesse an den behandelten Themen. Es war deutlich, dass das Stück die Menschen erreicht und zum Nachdenken anregt.

Wir freuen uns, „Hin und Weg“ auf allen Bühnen zu spielen, die ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen wollen. Wir möchten gemeinsam mit unseren Partnern und dem Publikum daran arbeiten, eine offene und tolerante Gesellschaft zu fördern. Kultur hat die Macht, Veränderungen anzustoßen, und wir sind entschlossen, diese Macht zu nutzen. Wenn Sie als Veranstalter daran interessiert sind, ein gesellschaftlich relevantes und bewegendes Bühnenstück zu präsentieren, das zum Nachdenken anregt und den Diskurs fördert, dann ist „Hin und Weg“ genau das Richtige für Sie. Lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzen und zeigen, dass Kultur mehr ist als bloße Unterhaltung – sie ist ein mächtiges Werkzeug im Kampf gegen Intoleranz und Hass.

„Annes Kampf“ in Landau in der Pfalz: Eine bewegende Aufführung in historischer Kulisse

Annes Kampf in Landau in der Pfalz

Am 15. Mai 2024 hatten wir die Ehre, „Annes Kampf“ im Kulturzentrum Altstadt in Landau in der Pfalz aufzuführen. Diese Veranstaltung war aus mehreren Gründen besonders bemerkenswert. Zum einen bot die Location – ein altes Kaufhaus aus dem 15. Jahrhundert in der Kaufhausgasse mitten in der Altstadt – eine faszinierende historische Kulisse, die die Aufführung noch eindringlicher machte.

Annes Kampf im alten Kaufhaus in Landau in der Pfalz | Foto: SAM Entertainment

Unsere Aufführung von „Annes Kampf“ brachte nicht nur die Geschichte von Anne Frank und Adolf Hitler auf die Bühne, sondern regte auch zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit den Parallelen zwischen dem Populismus der NSDAP und der heutigen AfD an. Nach der Vorstellung fand eine spannende Diskussion statt, in der das Publikum die Verbindungen zwischen historischen und aktuellen politischen Strömungen erkundete.

Ein Element der Diskussion war das Buch „Tatworte“ von Michael Kraske. Diese Lektüre, eine Zusammenstellung menschenverachtender Äußerungen von AfD-Mitgliedern, wurde dem Publikum ans Herz gelegt. Kraske zeigt auf, dass die AfD alles andere als eine bürgerliche Partei ist; vielmehr sind viele ihrer Mitglieder tief im völkischen Denken verhaftet. Das Buch macht deutlich, dass die AfD nicht die Bewahrung, sondern die Abschaffung der Demokratie anstrebt. Wer die Aktivitäten und die Hintergründe der Mitglieder der AfD kennt, erkennt schnell die Gefahr, die von dieser Partei ausgeht.

Marianne Blum und Thomas Linke | Foto: SAM Entertainment

In der Diskussion wurde klar, dass, wenn der Begriff „wehrhafte Demokratie“ nicht zur leeren Worthülse verkommen soll, alle Demokraten gemeinsam alle notwendigen Maßnahmen gegen die AfD ergreifen müssen – einschließlich eines Verbotsverfahrens. Die Aufführung von „Annes Kampf“ diente nicht nur der Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch als Appell für die Gegenwart und Zukunft, sich aktiv gegen Menschenhass und für den Erhalt der Demokratie einzusetzen.

Nach der Veranstaltung wurden wir von den Initiatoren zu einem geselligen Beisammensein im Frank-Löbsches Haus eingeladen. Dieses Haus ist historisch mit Anne Frank verbunden: Der Urgroßvater väterlicherseits von Anne erwarb es 1840 und gründete darin eine Bank. Annes Großvater zog 1870 nach Frankfurt, um dort ein Wertpapierhandelshaus zu gründen. Diese Einblicke in die Familiengeschichte von Anne Frank bereicherten unser Verständnis und unsere Verbindung zu der beeindruckenden Persönlichkeit, deren Geschichte wir auf die Bühne gebracht haben.

Unser herzlicher Dank gilt dem Kulturzentrum Altstadt in Landau in der Pfalz für die hervorragende Organisation dieser Veranstaltung. Ebenso danken wir für die beeindruckenden historischen Einblicke, die uns die Geschichte von Anne Frank und ihrer Familie näher brachten. Diese Veranstaltung war nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs.

Auf Tour durch die Republik

Marianne Blum, Anna Maria Haas und Carlos Corona

Nach unserer Tour, die uns quer durch die Republik geführt hat, sind wir wieder in Berlin angekommen. Insgesamt hatten wir sechs Vorstellungen, wir haben viermal JETZABA! – Die Waffeln der Frau gespielt. Hin und Weg sowie 88 Tasten und ich haben wir je einmal aufgeführt. Die Aufführungsorte: Frankfurt am Main, Großenlüder, Arnstein, sowie Putbus. Die Höhepunkte dieser Tor waren Großenlüder (bei Fulda) sowie Putbus (auf Rügen). In Großenlüder kamen über 300 Zuschauer*innen zu „Die Waffeln der Frau“ am Ende gab es Standing Ovation. Hier ein Bericht von Osthessen-News.

Marianne Blum und Anna Maria Haas – SAM Entertainment

Marianne Blum und Anna Maria Haas zeigten ihr Können auch im Theater Putbus. Über 200 Zuschauer waren begeistert von der Aufführung „Die Waffen der Frau“.

Das volle Theater Putbus, Die Waffeln der Frau -SAM Entertainment

Am 16. März hat Anna ihren Klavierabend präsentiert. Die Zuschauer waren begeistert und haben das ungewöhnliche Konzept angenommen. Marianne Blum hat mit der Kamera das Geschehen auf der Bühne und im Flügel auf eine Leinwand projiziert, sodass sich die Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon machen konnten, wie die Mechanik in diesem Instrument arbeitet. Und überhaupt muss hier mal die Investition des Theater Putbus in diesen wunderbaren Steinway Flügel gewürdigt werden. Ein wunderbares Instrument in einem großartigen Ambiente. Gespielt von Anna Maria Haas. – Es war ein toller Abend!

88 Tasten und ich – SAM Entertainment

Der Abend des 17. März war auch etwas Besonderes, Marianne Blum und Carlos Corona haben ihr neues Programm „Hin und Weg“ im Theater Putbus vorgestellt, die Resonanz des anwesenden Publikums hat den beiden Künstlern sichtlich gutgetan. Wenn Carlos Coronas begnadetes Spiel auf der siebensaitigen Gitarre mit der Stimme von Marianne Blum zusammenkommt, sind Gänsehautmomente vorprogrammiert.

Marianne Blum und Carlos Corona – SAM Entertainment

Insgesamt hat diese Tour die hohe Professionalität der beteiligten Künstler unterstrichen, so wurde eine dreitägige Lücke zwischen zwei Auftritten von Marianne Blum und Anna Maria Haas für intensive Proben genutzt. Der Aufenthalt in Putbus war durch die Unterbringung in einem abgelegenen Landsitz geprägt.

Arbeitsaufenthalt – SAM Entertainment

Wir haben dieses Anwesen gemietet, da uns dieser traumhafte Ort inmitten der Natur als Inspirationsquelle diente. Hier kamen wir auf neue Gedanken. Unser Publikum darf gespannt sein.

„Annes Kampf“ am 79. Jahrestag der Pforzheimer Bombardierung

Marianne Blum und Thomas Linke in Pforzheim

Geschichte bewahren, Erinnerung stärken

Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt Pforzheim von den verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs erschüttert. An diesem tragischen Tag wurde die Stadt bombardiert, innerhalb von 20 Minuten glich sie einem brennenden Trümmerfeld. 79 Jahre später, am gleichen Datum, setzte das Kulturhaus Osterfeld ein Zeichen, indem es „Annes Kampf“ veranstaltete. Die Wahl des 23. Februars für diese Veranstaltung ist kein Zufall. Sie ist eine bewusste Entscheidung, die Geschichte zu beleuchten und die Erinnerung an die Ursachen der Zerstörung von Pforzheim wachzuhalten. Die Veranstaltung fand zweimal statt, zunächst am Vormittag vor Schüler*innen und am Nachmittag vor einem breiten Theaterpublikum.

Die schauspielerische Leistung von Marianne Blum und Thomas Linke vermittelt nicht nur die Tragödie der Vergangenheit, sondern regt auch zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen an; es ist ein eindringlicher Appell zur kritischen Reflexion unserer Vergangenheit und ihrer Auswirkungen auf die Gegenwart. Die Aufführung schafft eine Brücke zwischen den Lebensgeschichten zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Presse hat die Bedeutung dieser Veranstaltung erkannt und die Schlagzeilen sprechen für sich. Die Pforzheimer Zeitung titelte: „Nachhaltiger als viele Schulstunden“. Dies unterstreicht die Effektivität von „Annes Kampf“ im Bildungsbereich. Der Pforzheimer Kurier zitierte eine Schülerin des Hilda-Gymnasiums: „Es macht mir Angst, das darf sich nicht wiederholen.“ Solche Reaktionen zeigen die emotionale und pädagogische Wirkung dieser besonderen Veranstaltung.

Leider versucht die Neue Rechte, die Geschichte zu instrumentalisieren und Jahrestage der Bombardierung mit Fackelmärschen zu begehen. Doch „Annes Kampf“ steht als kraftvolles Gegengewicht gegen diese Versuche der Geschichtsverfälschung. Durch authentische Darbietungen und klare Botschaften können wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Erinnerung an die Opfer bewahrt wird und die Lehren aus der Geschichte nicht vergessen werden.

Die Aufführung von „Annes Kampf“ am 79. Jahrestag der Bombardierung von Pforzheim war mehr als eine Theaterveranstaltung – sie war ein kulturelles Ereignis, das die Vergangenheit beleuchtet, die Gegenwart reflektiert und die Weichen für eine aufgeklärte Zukunft stellt. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen weiterhin Menschen zusammenbringen, um gemeinsam gegen Geschichtsverfälschung und für eine Welt der Vielfalt und der Toleranz einzustehen.

Faschismus darf nicht mehr wählbar sein!

Wann, wenn nicht jetzt?

Als ein Mensch mit migrantischen Wurzeln, als ein Doppelstaatsangehöriger, als jemand mit Ausgrenzungserfahrung schreibe ich diesen Beitrag. Die Correktiv-Recherche über das Geheimtreffen von Rechtsextremen in Potsdam hat Menschen wie mich nicht wirklich überrascht. Wer in diesem Land mit migrantischen Wurzeln aufgewachsen ist, ist überrascht, dass es die Zivilgesellschaft überrascht hat. Große Teile der Gesellschaft haben ein geschlossenes rassistisches Weltbild und jeder, wirklich jeder, der in dieser Gesellschaft mit migrantischen Wurzeln aufwächst, erlebt rassistische Übergriffe. 

Mit „Annes Kampf“ – unserem Bühnenstück gegen Rassismus und Antisemitismus – haben wir überall in der Bundesrepublik sehr engagierte Menschen kennengelernt. Einige von ihnen leben in gefestigten Meinungsräumen, in denen Rassisten unwidersprochen ihre Ansichten kundtun. Mitten in diesen gefestigten Meinungsräumen werden Menschen bedroht und sind dem blanken Hass ausgesetzt – Menschen, die sich dagegenstellen. Immer wieder lernen wir mutige Persönlichkeiten kennen, die „Annes Kampf“ in solchen Regionen veranstalten.  

Um das Problem zu visualisieren, veröffentliche ich hier eine Deutschlandkarte, in der jede der 11.000 deutschen Gemeinden mit einem Punkt dargestellt wird. Damit die Punkte gleich groß sind, ist diese Karte verzerrt – und ein Teil vergrößert – dargestellt. Es geht bei dieser Karte um das Wahlverhalten. Gemeinden, die damals überdurchschnittlich NSDAP gewählt haben und heute überdurchschnittlich AFD wählen, sind farblich mit einem tiefen Magenta markiert. Gemeinden mit durchschnittlichem Wahlverhalten bezüglich der NSDAP und AFD – blassen Magenta. Gemeinden, in denen weder die NSDAP noch die AFD erfolgreich waren, beziehungsweise sind, haben eine hellblaue Farbe. Diese Grafik ist Teil einer Studie des Historikers Davide Cantoni. 

Hier habe ich die Studie verlinkt.

Diese Karte zeigt die unglaublich verfestigten Meinungsräume, besonders in den neuen Bundesländern. Hier wachsen Menschen in Strukturen auf, die wirklich glauben, dass rassistische Ansichten mehrheitsfähig sind und oft der falschen Annahme verfallen, dass sie das Volk sind. Wenn diese Menschen erkennen – und das tun sie gerade, dass dem nicht so ist, dann folgt daraus eine Trotzreaktion, die die Basis der AFD weiter in den Extremismus treibt und das wiederum wird es der AFD unmöglich machen, ihr bürgerliches Gesicht zu wahren. Es wird immer erkennbarer, was die AFD ist, nämlich der parlamentarische Arm von Faschisten.

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass der Faschismus über eine gesellschaftliche Wahrnehmungsschwelle gestoßen ist. Es entwickelt sich ein großes Bündnis gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Dieses Bündnis besteht aus den unterschiedlichsten Akteuren. Die Akteure versammeln sich alle hinter einem Thema – dem Kampf gegen den Faschismus. Sollte dies gelingen, wird es eine große Dynamik entfachen; im Zuge dieser Dynamik werden dann alle Instrumente, die uns gegen den Faschismus zur Verfügung stehen, in die Hand genommen werden – denn Faschismus darf nicht mehr wählbar sein!

Wenn Theater Türen öffnet

Marianne Blum und Thomas Linke nach der Veranstaltung "Annes Kampf" in Idar-Oberstein

Annes Kampf bewegt in Idar-Oberstein

Am Holocaust-Gedenktag hat unser Bühnenprogramm gegen Rassismus und Antisemitismus „ANNES KAMPF Anne Frank vs. Adolf Hitler“ erneut seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt. Am Vormittag erlebten mehrere Schulklassen von zwei Schulen mit insgesamt 150 Schülern an der Vormittagsvorstellung in der Messe Idar-Oberstein, wie die kruden, hasserfüllten Ideen Adolf Hitlers auf ihre Folgen trafen, die ein unschuldiger Teenager, Anne Frank, ausbaden musste. Über zwei Jahre musste sie und ihre Familie sich vor den Nazis verstecken und wurde schließlich doch ermordet, „und das alles nur, weil sie Juden sind“, wie Anne selbst in ihrem später berühmt gewordenen Tagebuch feststellt.

Diskussionsrunde mit den Schülern aus Idar-Oberstein
Diskussionsrunde mit den Schülern aus Idar-Oberstein

Am Abend spielten Marianne Blum und Thomas Linke das Stück am selben Ort in einer öffentlichen Vorstellung vor 250 Zuschauern. Im Anschluss stellten sich die Künstler der Diskussion, die es wahrlich in sich hatte. Es wurde von der Sprachlosigkeit in manchen Familien über die NS-Zeit berichtet, von Vätern, die bis an ihr Lebensende Anhänger der nationalsozialistischen Zeit blieben und jeder Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen waren, aber auch von Großvätern, die die Gräuel gesehen hatten und verändert aus dem Krieg zurückkamen und auch von solchen, die Opfer geworden waren. Was sie alle eint: Sprachlosigkeit. „Es wurde nicht darüber geredet“, berichtete ein Nachfahre eines Täters, von dem er bis heute nicht genau weiß, was er getan hat.

Thomas Linke redet sich in Rage

Man spürte, dass die Künstler durch ihre Darbietung bei etlichen Zuschauern Türen geöffnet haben, hinter denen bisher Unausgesprochenes verborgen gewesen war. Man spürte auch, wie gut es den Menschen tat, die sich auf diese Weise öffentlich mitteilten, Ihre Gedanken und auch ihre Last dadurch mit anderen zu teilen und so erträglicher zu machen. Man beginnt zu verstehen, welche Hypothek es ist, Kind in einer solchen Familie aufzuwachsen, aber auch wie wichtig es ist, diese Nachfahren mit dieser Hypothek nicht alleine zu lassen. Nach der ersten Wortmeldung eines Mannes, der seine Ergriffenheit in Worte fasste und dann seine Geschichte erzählte, folgten weitere und das einmal zugelassene Bedürfnis endlich zu sprechen wollte kaum enden.

Marianne Blum bäumt sich auf. „Mir leben eijbig“ schmettert sie denen entgegen, die andere ausrotten wollen,

Solche Gespräche, in denen man merkt, dass das Unausgesprochene artikuliert wird und die Erleichterung der Menschen, die diese Hürde nehmen, mit Händen zu greifen ist, finden nach diesem Stück immer wieder statt.

Der Diktator bleibt bei allem wie ein böser Schatten immer in der Szene

Dennoch war Idar-Oberstein etwas Besonders, sei es, weil so viele Zuschauer aus der Region gekommen waren und auch der Oberbürgermeister, Frank Frühauf, durch seine Anwesenheit unterstrich, dass man die Wichtigkeit des Themas, seine Aktualität und seine Relevanz für das heutige Leben verstanden hat, sei es durch die Tatsache, dass Annes Erzählungen über das Leben im Versteck und die Hitlers Tiraden im Kontext des Gedenktages noch eine zusätzliche Brisanz erhielten.  „Hier der Hass und offener Rassismus – dort die Hoffnung an die baldige Rettung, die trotz Verfolgung und dem Leben in engem Versteck durch die junge Anne Frank ihrem Tagebuch anvertraut wurde. Marianne Blum ergänzt das Programm mit ihrer klaren Stimme, mit der sie von leisesten Passagen bis zum überpräsenten Gesang teils ohne Lautsprecherunterstützung brillierte“ heißt es z.B. in einem Nachbericht des Vereins „Demokratie leben Birkenfeld

Pressebericht der Nahe-Zeitung

Ermöglicht wurden diese Doppelveranstaltung durch die Stadt Idar-Oberstein in Kooperation mit dem Verein Schalom unterstützt von „Demokratie leben Birkenfeld“, Regionalpartnern des Bundesförderprogramms „Demokratie leben“.

In einer Zeit, in der in der Politik wieder Worte fallen, die Adolf Hitler in seinem Kampf benutzt hat und gleichzeitig kaum noch Zeitzeugen für die Erinnerungskultur zur Verfügung stehen, sind solche Veranstaltungen sehr wichtig. Ein Mitglied des Vereins Schalom sagte in der Diskussion: „Diese Veranstaltung ist Gold wert“.

Ein Schüler, der die Veranstaltung am Vormittag besucht hatte, war so beeindruckt, dass er am Abend mit seiner Familie wiederkam. Für uns ist auch das eine Bestätigung, dass „Annes Kampf“ wirkt und unsere Arbeit wichtig ist.

Den Organisatoren kann man nur danken, dass sie diese schwere Kost den Menschen in ihrem Ort zumuten, weil sie Ihnen Erkenntnis zutrauen. Im besten Fall kann man damit die Menschen (wieder) ins Gespräch miteinander bringen und dann hat man hin zu einem tatsächlichen „Nie wieder“ wirklich einen Schritt getan.

Wir spielen das Stück gegen Rassismus und Antisemitismus seit 2016 im ganzen Land.

#anneskampf #tagebuchderannefrank #annefrank #marianneblum #ThomasLinke #geschichteerleben #gegendasvergessen #endlichwiederinsTheater #Antirassismus #gegenAntisemitismus #weremember #IdarOberstein #demokratieleben #Schalom #niewieder

Streitaxt und Weihnachten – ein Liebespaar?

Ein gelungener Abend im Stalburg Theater in Frankfurt am Main.

Marianne Blum und Kollegin Anna Maria Haas des Duos „Jetzaba“ rücken den Themen hinter den vorweihnachtlichen Genüssen und Motiven mächtig auf die Pelle. Mit humorvollen Szenen aus einer Wirklichkeit, die wir alle kennen, werden wir Zuschauer an die Frage herangeführt: Was ist eigentlich Weihnachten für mich?

Ich wünsch mir eine Streitaxt – JETZABA

In scheinbar friedfertiger traditionsbewusster Motivation gibt es in jeder Familie jemanden, der die „Care-Aufgaben“, wie putzen, schmücken, kochen, backen zum Feste hin organisiert und lebendig werden lässt. Aber wozu eigentlich und was machen die anderen währenddessen?

JETZABA! Marianne und Anna haben Plätzchen für das Publikum gebacken.
SAM Entertainment

Im Stück können wir erleben, wie eine leidenschaftlich „Weihnachtsvorfreude“ praktizierende Frau zu einer wütend sich befreienden Streitaxt-Amazone wird. Das Stück zeigt auf fantastisch feinfühlige und humorvolle Art und Weise unterschiedlichen Rollen im Weihnachtsverlauf. Begleitet wird die Verwandlung mit kreativen Ideen. So laden live gebackene Plätzchen im Oktopus- und Spinnen-Design zur „psychologischen Kriegsführung“ und musikalische Weihnachtsklassiker in Neu-Auflage urkomisch performt, unseren geistigen Vorstellungsrahmen zu neuen Sichtweisen ein.

JETZABA! Partystimmung im Stalburgtheater in Frankfurt a.M.
SAM Entertainment

Das Beste on Top: Die beiden Kabarettistinnen nehmen uns dabei mit von lokaler auf globale Ebene, von dem eigenen kleinen Familienkreis zur großen Politik. Was uns trotzdem oder gerade deswegen dazu bringt, nicht nur über „die da oben“, sondern gerade auch über uns selbst lachen zu können. Etwa wenn die Assoziationskette von „Kubicki duscht auch so lange er will“, „Und der ist ein Leuchtturm in der stürmischen See unserer derzeitigen Katastrophen?“, „Mit dem roten Gesicht?!“, „Das ist Chardonnay und eine spätpubertäre Trotzphase“, „Ich seh mal nach, ob das Kind schläft“ bis „Bring mit auch ein Glas mit“ gesponnen wird oder Marianne bereits „am Unterton“ merkt, dass ihr phänomenaler selbstschneiender Weihnachtsbaum nicht gut bei Anna Maria ankommt, woraufhin die Damen sich gegenseitig zu einem zum Brüllen komisches Blöckflöten-Duell herausfordern. High Noon schlägt es auch, wenn die beiden darüber nachdenken, ob sie sich nicht lieber in „Amigas“ umbenennen und Schlager singen sollen, um ihre Konten aufzufüllen, was Marianne nicht nur trocken kommentiert mit „Du kannst gar nicht auf unsere Konten schauen, weil du die Online Daten zum Online Banking verlegt hast und analog keiner mehr was mit dem Kunden zu tun haben will“, sondern auch mit einer Bontempi-Version von „Last Christmas „zurückschießt“, die so unfassbar komisch ist, dass sie einen vor dem echten Weihnachts-Kitsch imprägniert. „Wenn Sie jetzt hier raus gehen und unfreiwillig mit Last Christmas beschallt werden, dann werden Sie an meine Version denken und leise grinsen“, behauptet Marianne und sie hat recht.

JETZABA! Mit dem häslichsten Weinachtsbaum der Welt.
SAM Entertainment

Das gutgelaunte instrumentale Multitalent Anna-Maria Haas und die von zart bis raumerfüllende kunstfertige Stimme von Marianne Blum überzeugen mit authentischen Geschichten, abgestimmten Liedern und einer zum Mitmachen einladenden Programmgestaltung aus dem vorweihnachtlichen Familienkreislauf wie z.B. dem „Schreckliche-Geschenke-Weitwerfen“. „Die Dinge müssen in Umlauf kommen“. Viele weitere kreative Ideen, wie man selbst das „Fest der Liebe“ überstehen kann ohne Schaden zu nehmen, gab es obendrein.


Endlich wieder – LIVE KABARETT
Beste Unterhaltung mit Charakter
Mit Dank und 100% er Weiterempfehlung
Anna Groß

Annes Kampf

Im Mandelbachtal

Marianne Blum verstand es am Donnerstag hervorragend die niedergeschriebenen Gedanken des jungen Mädchens, das sich in der Zeit zwischen seinem 13. und 15. Lebensjahr zusammen mit seiner Familie in einem Versteck in Amsterdam verbergen musste, so lebendig vorzutragen, dass man die kleine Anne regelrecht vor sich sehen konnte.

Diesen Ausführungen setzte Thomas Linke erschreckend authentisch die oft unerträglichen Hasstiraden von Adolf Hitler aus „Mein Kampf“ entgegen. Oftmals fiel es den Zuhörern schwer, den gewaltverherrlichenden und hasserfüllten Ausführungen zu folgen.

„Sichtlich mitgenommen waren die Zuhörerinnen und Zuhörer bei beiden Aufführen. Schon in der Pause sprach und diskutierte man auf den Gängen und vor der Halle lebhaft über das bis dahin Gesehene.

So wurde sowohl am Morgen von den Schülern als auch am Abend dankbar das Angebot angenommen, nach dem Stück noch mit den beiden Darstellern zu diskutieren. So konnte das Gesehene und Gehörte nochmals erörtert und besprochen werden. Keiner der Zuhörer verließ die Veranstaltung früher, es war erkennbar das alle sichtbar mitgenommen oder beeindruckt waren…

So wurden die beiden Aufführungen nicht nur zu einem aufregenden Geschichtsunterricht sondern auch zu einem leidenschaftlichen Plädoyer gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit von erschreckender Aktualität.“

Annes Kampf bewegte (wochenspiegelonline.de)

ENDLICH WIEDER THEATER!

Theater-Kabarett und Musik und live gebackenen Waffeln mit dem Damen-Duo JETZABA

Eine Kritik von Doris Sondermann

Ausgerechnet am Freitag, den 13. August 2021 wurde mein lang gewachsener Hunger nach „richtig, echter“ Kultur zum ersten Mal wieder gestillt – von echten Musikerinnen im echten, prachtvollen Theatersaal in Putbus auf Rügen.

„Die Waffeln der Frau“ hieß das Kabarett-Programm. Es wurde ebenso wie die 8 Songs, mit denen das Publikum beglückt wurde, von der Berliner Sängerin und Kabarettistin Marianne Blum geschrieben und feierte zusammen mit ihrer kongenialen Pianistin Anna Maria Haas seine Wiederaufnahmepremiere auf der Insel. In der ersten Fassung noch mit der ukrainischen Kampfpianistin Marina Gajda besetzt, sorgte das Stück bereits seit seiner Uraufführung 2016 für ausverkaufte Theater nicht nur auf Rügen. Aktualisiert und auf die Rheinland-Pfälzische Konzertpianistin Anna Maria Haas zugeschnitten, zeigt das Stück jetzt ganz neue sehenswerte Facetten.

Wie schon bei der Urfassung führte auch jetzt bei der Neufassung Peter Gestwa, der Intendant des Theater Putbus, Regie bei den „Waffeln“, was erklärt, warum das Stück auf Rügen seine Premiere feierte, wobei dieses zauberhafte, historische Haus einen wunderbaren Rahmen für diese launig-launischen Partnerinnenschaft bot, an der uns das Damen-Duo teilhaben ließ.

Marianne Blum ist bekannt für ihr Temperament, ihr sängerisches Können und ihre Bühnenpräsenz, Wortwitz in den Dialogen und humorvollem Ernst in den Texten ihrer Songs. Sie riss ihr Publikum wieder einmal mitten hinein in das uralte und doch immer aktuelle Thema der Rolle als Frau, mit oder ohne Mann an ihrer Seite; in Solidarität oder Konkurrenz zu den Geschlechtsgenossinnen. Diesen Part übernahm Anna Maria Haas – brillant am Bühnenklavier und gewitzt im Kontern in den Dialogen – eine nicht immer dankbare Rolle.  Ein Motto des Abends kam im Song: „Wir sind nicht besser als ihr – leider“ in der Spannung, in die die Blum uns zwingt, zum Klingen. „Nein! Doch!“ Eine Hymne an die Frauen, auch dann, wenn sie hin und wieder Mist bauen.

Wie gut tut es, nach der langen „Fastenzeit“ gemeinsam mit den Künstlerinnen und dem Publikum im Saal zu lachen, zu staunen, über das eigene Leben zu sinnieren und am Ende sogar mit frisch gebackenen Waffeln aromatisch und speisend verwöhnt zu werden. Da kann der Weltuntergang gerne noch warten.

Blum & Heckmann begeistern mit „Annes Kampf“ in Wilhelmshaven.

Marianne Blum und Stefan Heckmann
Foto: SAM Entertainment

Die Wilhelmshavener Zeitung schreibt am 09.09.2020:

Kampf wühlt auf und bewegt.

Von Annette Muschalik

Wilhelmshaven. Anne Frank und Adolf Hitler haben sich nie getroffen, ihre Gedanken nie ausgetauscht, die 75 Jahre nach ihrem Tod bei der Lesung „Annes Kampf“ wie David gegen Goliath aufeinander treffen. Es ist genau dieser Kontrast, den die Kabarettistin und Sängerin Marianne Blum und der Schauspieler und Autor Stefan Heckmann bewusst machen wollen und für den es nichts anderes braucht als die Gegenüberstellung der Worte, die Anne Frank in ihrem Tagebuch und Adolf Hitler in „Mein Kampf“ hinterlassen haben.

Auf der einen Seite die reflektierte, hoffnungsvolle und zum Teil sogar heitere Auseinandersetzung des jungen Mädchens mit dem eigenen Schicksal und dem der vielen Opfer des Nationalsozialismus‘ und auf der anderen Seite die Tod bringende, aus Frustration und Hass zusammen gebastelte Rassentheorie eines Mannes, die in Wortwahl und Gedankengut erschreckend real ist.

Und so lassen Heckmann und Blum es ihre Protagonisten gleich zu Beginn deutlich aussprechen: „Alles, was ich geschrieben habe, ist noch aktuell.“ Woraufhin „Anne“ erwidert: „Alles, was ich geschrieben habe, ist noch aktuell.“

Fast schmerzhaft dingen die Worte in den folgenden eineinhalb Stunden zum Publikum durch – Marianne Blum und Stefan Heckmann lassen ihre Protagonisten auch stimmlich präsent werden. Zart, mal fröhlich, mal nachdenklich auf der einen Seite, unerbittlich, hart und schneidend die andere Seite.

So finden in Annes Tagebuch die ersten zarten Gefühle zu einem Jungen behutsam Ausdruck und demgegenüber Hitlers Sätze über „schwarzhaarige Judenjungen“, die „weiße Mädchen schänden“ messerscharf in die Ohren des Publikums. Und wo Hitler Juden als „Egoisten, Parasiten und Schmarotzer“ beschimpft, lässt Anne einen beschämt zurück, wenn sie darüber reflektiert, ob es egoistisch sei, über ein Leben nach dem Krieg zu sprechen, wo doch so viele schon ermordet wurden und dass doch alle, Juden und Christen, so sehr auf der Kriegsende warten.  Was bewegt und aufwühlt, dringt mit dem kraftvollen Gesang von Marianne Blum noch ein bisschen tiefer ins Herz.

Mit jiddischen Liedern, die in Ghettos und Konzentrationslagern entstanden sind, sowie mit Liedern jüdischer Komponisten, die Zarah Leander zu Welterfolgen machte, unterbricht Blum die Lesung und nimmt dem Publikum die Hemmung zu klatschen.

Der tragische Tod von Anne Frank, die ebenso wie ihre Schwester kurz vor der Befreiung des KZ Bergen-Belsen dort gestorben ist, ist nicht das Ende ihrer Geschichte und auch nicht das Ende der Lesung. Vielmehr hat das Tagebuch, das ihr Vater als einziger Überlebender der Familie nach seiner Rückkehr veröffentlicht hat, sie und ihre Botschaft unsterblich gemacht. Und im Pumpwerk sind es ihre Worte, die nachklingen und Mut machen: „Ich will fortleben. (…) einmal werden wir doch wieder Menschen und nicht nur Juden sein!“